Kathrin Stirnemann


XCE World Champion 2014

Rang 2 beim Schweizer Saisonauftakt in Buchs

Pünktlich zum Schweizer Saisonstart meldete sich der Winter zurück. Bei Schneefall und drei Grad startete in Buchs SG der erste Lauf des BMC Racing Cups in die neue Saison.

Mit Winterhandschuhen, Halstuch und Stirnband ging ich an den Start. Mir machen Schlamm und Regen ja bekanntlich nichts aus, doch diese tiefen Temperaturen und der dazu wehende Wind waren auch für mich etwas zu extrem.

 

Ich ging das Rennen verhalten an und versuchte meine Kräfte und Energien gut zu verwalten, denn ich wusste, je länger das Rennen dauern würde, um so kälter und härter würde es werden.

Bei der ersten Zielpassage lag ich an dritter Stelle hinter der Weltranglistenersten Eva Lechner und der Schwedin Jenny Rissveds. Die technischen Anstiege wurden durch die nassen Bedingungen immer schwieriger und zum Teil wurde es unfahrbar. An den meisten Orten hielt sich die Strecke jedoch ziemlich gut und ich versuchte meine gute Technik einzusetzen und möglichst viel zu fahren.

In der zweiten von fünf Runden gab meine Federgabel ihren Geist auf und streikte total. Das war natürlich nicht optimal aber so war dann das Radquerfeeling perfekt mit einer Starrgabel und solchen Wetterbedingungen… In den Abfahrten nahm ich danach etwas weniger Risiko um einen Sturz oder Defekt zu vermeiden.

 

Als vierte und total durchnässt und unterkühlt nahm ich die letzte Runde in Angriff. Ich hatte noch etwas Reserve und  etwa in der Hälfte des langen Anstieges konnte ich zu Lechner und Rissveds aufschliessen. Jolanda Neff war vorne weg gefahren und fuhr ihrem ersten Schweizer Elitesieg entgegen.  Ich hängte mich an die beiden ran und im aller letzen Anstieg vor der Abfahrt attackierte ich und schnappte mir den zweiten Rang. Die Abfahrt war dann ziemlich kriminell, denn ich hatte kein Gefühl mehr in den Händen und Füssen und ohne Federgabel war es schwierig den Lenker nicht zu verlieren bei all den Schlaglöcher.

Doch ich meisterte die letzte Abfahrt souverän und kam eiskalt aber total happy als zweite ins Ziel.

 

So rasch wie möglich steuerte ich unseren Teambus an um mich von den nassen Kleidern zu befreien. Dies wurde dann fast zum grösseren Kampf als das eigentliche Rennen, denn ich konnte meine Schuhe nicht öffnen. Meine Mutter stand zwar mit warmem Wasser zum Säubern bereit, doch sie wusste nicht wie sich das System meiner Klickschuhe öffnen liess und ich schaffte es nicht, da meine Finger zu kalt waren. Armin, unser Physio zog dann einfach so fest am Schuh, dass ich irgendwie raus schlüpfen konnte.
Bei der Siegerehrung zitterten wir alle vor Kälte und es war für alle gleich schwierig ein Lächeln über die blauen Lippen zu kriegen. Mir war in meinem ganzen Leben noch nie so kalt. Das Ausfahren auf der Rolle diente dann als Aufwärmen und anstatt Recoveryshake gab es heissen Tee. So richtig warm wurde mir  jedoch erst nach dem Duschen, als ich mich etwa eine halbe Stunde lang warm föhnte.

 

Was für ein Saisonauftakt!?! Ich war so froh über die Unterstützung des Teams und die meiner Mutter, die dafür sorgten, dass ich und meine Teamkollegin Adelheid wieder warm wurden.

 

Nachdem alles geputzt war und mein Bike von unserem Mechaniker Sam eine totale Revision bekommen hatte, ging es von Buchs direkt weiter in die Toskana, wo wir mit der Nationalmannschaft eine Woche an unserer Sprungtechnik feilen werden. Dabei werden wir vom ehemaligen Fourcross Weltmeister und heutigen BMX Nationaltrainer Roger Rinderknecht unterstützt.