Kathrin Stirnemann


XCE World Champion 2014

Rang 2 im Gesamtweltcup XCE

Mit 10 Punkten Rückstand lag Kathrin beim Eliminator absolut in Reichweite mit der Leaderin Alexandra Engen – Hafjell, das Weltcupfinale, sollte also entscheiden.
In der Quali belegte Kathrin Platz 3. Nur 7 Zehntel hinter der Schnellsten Rissveds und 2 Zehntel hinter Vizeweltmeisterin Jolanda Neff. Engen lag auf Platz 6, aber 12 Sekunden hinter der Spitze. Die Strecke war a) abnormal lang und b) mit einer abnormal langen Startsteigung nicht im Lieblingsprogramm von Kathrin.
Zudem hatte sie in allen Heads bereits starke Gegnerinnen, an schonen war nicht zu denken. Bereits im Viertelfinal traf sie auf Engen, welche sich im Achtelfinal am Lenkervorbau eine Zahnschaufel abgebrochen hatte ….( was würde da wohl ein Spitzenfussballer machen???).
Im Halbfinal dann ein erster, vorgezogener Final: Weltmeisterin Engen, Vizeweltmeisterin Neff sowie Bronzemedaillengewinnerin Indergand gegen Kathrin. Die Taktik der drei Schweizer RS-Kolleginnen war klar: Engen den Einzug in den Final zu verwehren. Für Kathrin war klar: volle Kanne und den Heat gewinnen, dahinter musste entweder Jolanda oder Linda die Schwedin schlagen. Bereits nach 100 Metern übernahm Kathrin im langen Starthang die Führung, dahinter die Schwedin. Leider hatte Jolanda zwar den besten Start auf den ersten 100 Metern, danach wählte sie aber einen schlechten Einstieg in den Hang, verlor  viel Schwung und damit sehr viel Terrain. Indergand lag da sogar noch vor Neff. Nach den BMX-Wellen lag Neff bereits mehrere Sekunden hinter dem Führungsduo.
Ausserhalb der Fernsehbilder muss dann Neff volles Risiko in der ersten Abfahrt genommen haben, denn zu Beginn der zweiten Steigung war sie plötzlich wieder am Hinterrad von Engen und Stirnemann. Kathrin powerte weiter und ging als erste in die letzte Abfahrt, die zwei steile Rampen sowie die Zielbrücke beinhaltete. Leider machte dann Neff am Hinterrad von Engen auf den schmierigen Wurzeln einen kleinen Fehler, blieb hängen an einem Gebüsch. Kathrin hauderte selber (wohl ebenfalls „blau“) auch in den beiden Rampen und hatte Glück, keinen Platten einzufahren. Aber mit sicherem Vorsprung ging sie auf die Zielgerade. Dahinter nahm Neff wiederum volles Risiko, war wieder dran an Engen. Durch ihr hohes Tempo machte Neff einen gewaltigen Satz über die Zielbrücke. In der Kompression der Brücke zur Zielgeraden stauchte es Jolanda zusammen, stürzte beinahe – und weg war Engen! Taktik nicht ganz aufgegangen…
 
Im Final standen nun die Europameisterin Rissveds, die Italienerin Lechner, die Weltmeisterin Engen und Kathrin. Die fünfte Finalquali für Kathrin im fünften Eliminatorweltcup – auch ein Leistungsausweis! Doch Kathrin hatte sich noch nicht erholt vom „voll-out“ Halbfinal. Bereits ab den ersten Metern lag sie im Hintertreffen. Vorne war sogleich Rissveds in der Offensive, dahinter Lechner und dann Engen. Kathrin spürte immer noch das Laktat im Kopf und in den Beinen, es ging nichts mehr. Der Zieleinlauf war dann in gleicher Reihenfolge und Kathrin wurde 4.
Rückblickend hat Kathrin alles versucht, es war vielleicht nicht ihr Toptag, aber mit Alexandra Engen hat die amtierende Weltmeisterin auch den Weltcup gewonnen. Und wer hätte anfangs Saison schon zu behaupten gewagt, dass Kathrin den Gesamtweltcup auf Platz zwei beendet? Phänomenal!